ÄgyptologieNewsPaper
Redaktion, Texte und Abbildungen (sofern nicht anders erwähnt): Gitta Warnemünde
  Dezember 2009
30. Dezember 2009
Nofretete: Formelle Anfrage zur Rückgabe wird vorbereitet
Das von Zahi Hawass geleitete National Committee for the Return of Stolen Artifacts diskutierte bei einer Zusammenkunft am 29.12.2009 die Vorgehensweise für eine formelle Anfrage zur Rückgabe der Nofretete-Büste. Federführend wird dabei Nabil El-Arabi sein, Botschafter und ehemaliger Richter am Internationalen Gerichtshof. El-Arabi wird nach eigenen Angaben für die von seiner Seite durchzuführenden Arbeiten einen Monat Zeit benötigen.
Hawass steht außerdem in Verhandlungen mit den USA hinsichtlich der Rückgabe anderer, derzeit in amerikanischen Museen augestellter Antiquitäten. Detaillierte Angaben werden nicht gemacht.
almasryalyoum
drhawass.com
spiegel

29. Dezember 2009
Statuen von Kuschitenherrschern im Sudan gefunden
Bereits während der Grabungskampagne im Jahre 2008 an dem meroitischen Amun-Tempel aus dem 1. Jahrhundert n.Chr. in Dangeil, Sudan, stießen die Archäologen des Berber-Abidiya Archaeological Project unter der Leitung von Julie Anderson (British Museum) und Salah Mohammed Ahmed (National Corporation for Antiquities and Museums, Sudan) auf große Fragmente von vier königlichen napatanischen (frühe Kuschiten) Statuen aus dem 7. Jahnhundert v.Chr. sowie von einer meroitischen Statue. Befunde weisen darauf hin, dass der spätere Kuschitentempel in Dangeil auf den Ziegelmauern eines früheren, wahrscheinlich napatanischen Tempels errichtet wurde. Bei den Funden handelt es sich um eine große Standschreitstatue aus Granit des Königs Taharqa (25. Dynastie) und um zwei Figuren seiner Nachfolger Senkamanisken und wahrscheinlich Aspelta. Die meroitischen Sandsteinstatue ist wahrscheinlich eine Darstellung der Königin Amanitore, die zu den Gründern des Amun-Tempels aus dem ersten nachchristilichen Jahrhundert zählt. Diese Entdeckung in Dangeil, stromaufwärts hinter dem 5. Nilkatarakt gelegen, sowie die Belege für eine frühere, vermutlich napatanische Bauphase wird wohl eine grundsätzliche Neubeurteilung der bisher gültigen Geschichte der Kuschiten erforderlich machen.
Egyptian Archaeology, Ausgabe 34, Seite 14 (PDF)
thessea.org
heritage-key (mit einigen Abbildungen)

27. Dezember 2009
Anhaltender Medienrummel um Rückgabeforderungen des SCA
Die schöne Nofretete ist nach wie vor in den Medien präsent. Die Berliner Tageszeitung Der Tagesspiegel widmete ihr am 24.12.2009 einen Artikel sowohl in der Print- als auch in der Online-Ausgabe und bringt den Pressewirbel abschließend vielleicht sogar auf den Punkt: [Zitat] Sollte je Hoffnung auf einen Besuch Nofretetes in ihrer alten Heimat bestanden haben, so hat diese Zahi Hawass selbst zunichte gemacht durch sein aggressives Auftreten. Mit jedem weiteren zornigen Statement von ihm wächst die Sorge, dass die Büste nicht mehr zurückkehren könnte, im Lande behalten würde. Grundlage für Hawass’ Forderungen auf Rückgabe ist die angeblich illegale Ausfuhr Nofretetes. Die Deutschen hätten die 3400 Jahre alte Büste mit Lehm beschmiert und damit ihre Kostbarkeit verheimlicht, so glaubt der Ägyptologe. Gleichwohl hat er nie, wie schon mehrfach angekündigt, die Beweise dafür erbringen können, geschweige offiziell die Herausgabe gefordert. Von staatlicher Seite hält man sich in Kairo dieser Auseinandersetzung tunlichst fern. Dort gilt Nofretete als Ägyptens Botschafterin in Berlin. Wenn die Schöne dabei nicht doch ein winziges Mal geblinzelt hat.
Es melden sich inzwischen auch Ägyptologen mit ihrer Meinung zu Wort - gängige Praxis wenn es um derartige Kontroversen geht. In einem Online-Beitrag von NZZ heißt es mit Blick auf die Aussagen zur Fragilität der Nofretete-Büste, in Kairo würden westliche Ägyptologen darüber lachen. So wird Rainer Stadelmanns Meinung zitiert, der die technische Sicherung für jeglichen Transport für möglich hält. Ein anonymer Fachkollege aus der Schweiz hält den öffentlichen Disput gar für dummes Geschwätz, da es längst Konsens sei, dass die Büste in Berlin bleibe, jedoch von Zeit zu Zeit an Ägypten ausgeliehen werden soll.
Auf der Wunschliste des SCA stehen neben Nofretete bekanntlich weitere Stücke, die sich in internationalen Museen befinden. In letzter Zeit geriet so auch der Stein von Rosetta in den Fokus. Dies ist auch in dem Artikel (in italienischer Sprache) des italienischen Online-Medium Avvenire der Fall. Allerdings wird dort erwähnt, dass die SCA-Wunschliste noch einmal erweitert wurde. Auch der Turiner Königspapyrus scheint nun ins Visier geraten zu sein. Die Direktorin des Ägyptischen Museums Turin hat sich allerdings bereits dagegen verwahrt, denn der Papyrus sein keineswegs Diebesgut. Der Turiner Königspapyrus, einst in kleine bis kleinste Fragmente zerfallen und schließlich mühevoll rekonstruiert, ist eine der wertvollsten Quellen für das Verständnis der ägyptischen Chronologie.
Deutsche Google-Übersetzung des Avvenire-Artikels
Englische Google-Übersetzung des Avvenire-Artikels
beide allerdings sprachlich nicht überzeugend.

27. Dezember 2009
Forschungsarbeiten an der Pyramide von Seila
Ein Team der Brigham Young University (BYU) wird im Januar 2010 seine Arbeit wieder aufnehmen,  u.a. an der Pyramide von Seila. Nachfolger des inzwischen im Ruhestand befindlichen Grabungsleiters Wilfried Briggs ist Kerry Muhlestein. Muhlestein zeigt sich überzeugt, dass die vier Pyramiden des Königs Snofru aus der 4. Dynastie (Rote Pyramide und Knickpyramide in Dahschur, Pyramide von Meidum und letztlich auch die Pyramide von Seila) ganz bewusst mit Bezug zueinander gebaut worden waren. Nach gängiger Wissenschaftlermeinung sind die Knickpyramide und die Pyramide von Meidum "misslungene" Grabmäler Snofrus; erst die Rote Pyramide sei ohne bauliche Mängel errichtet worden, heißt es allgemein. Welchem Zweck die Pyramide von Seila diente, ist bislang unklar. Eine Kammerkonstruktion in Inneren dieser Pyramide wurde nicht gefunden, in unmittelbarer Umgebung jedoch Fragmente eine Opferplatte sowie zwei Stelen, von denen eine den Namen des Snofru trägt, sowie ein Ziegelaufweg. Muhlestein hat verschiedene Ideen entwickelt, nach denen Bau und Zweck aller vier Pyramiden im Zusammenhang gesehen werden müssen. Die Ergebnisse seiner Überlegungen möchte er noch nicht öffentlich machen. Sie werden Teil seiner offiziellen Berichterstattung für die ägyptische Antikenbehörde sein.
deseretnews

23. Dezember 2009
Schwelle des Kleopatra-Mausoleums gefunden?
Der griechische Unterwasserarchäologe Harry Tzalas, der u.a. den jüngst geborgenen, pylonförmigen Granitblock im Hafen von Alexandria entdeckt hatte (s.u. Beitrag vom 17.12.2009), weist auf einen weiteren Fund hin. Dabei handelt es sich um einen in 8 m Tiefe liegenden, ca. 15 Tonnen schweren Block aus Granit. Das Stück scheint die Schwelle eines mächtigen Tores gewesen zu sein, denn es weist Halterungen auf, die einst Scharniere von Doppelflügeltoren aufgenommen hatten. Tzalas hält den Block für eine Schwelle vom Eingangstor des Mausoleums der Kleopatra. Er vergleicht den Fund mit Eingängen zu mazedonischen Gräbern, die ebenfalls sehr schwer waren und deren mächtige Konstruktion für den endgültigen Verschluss eines Grabes sorgte. Tzalas hält es für ausgeschlossen, dass ein derart schweres Stück durch Wellenbewegung an den heutigen Fundort gelangt sein könnte. Seines Erachtens muss sich das Mausoleum in unmittelbarer Nähe befunden haben, d.h. es versank wie vieles andere aus dem Palastbezirk im Meer. Dies widerspricht der Vermutung des SCA, das Grab von Kleopatra und Markus Antonius befände sich im Tempel von Taposiris Magna (siehe dazu Beitrag vom 11.06.2009). In einer Pressemitteilung von Zahi Hawass vom 25.12.2009 über die Bergung des Granitpylons wird der Schwellenfund ebenfalls erwähnt. Dort heißt es: "Antike Autoren wie Plutarch und Strabo berichten über Kleopatras Palast, er habe sich ungefähr an dieser Stelle befunden und ganz in der Nähe ein Isistempel sowie das Mausoleum. Es scheint naheliegend, dass der (geborgene) Pylonturm von diesem Tempel der Isis stammt - es war der einzige Isistempel in diesem Areal - und die Schwelle, die in der Nähe gefunden wurde, vom Tor des des Kleopatra-Grabes."
guardian

22. Dezember 2009
Nofretete
Eine Pressemitteilung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz vom 21.12.2009 geht auf den Besuch von Museumsdirektorin Friederike Seyfried bei SCA-Chef Zahi Hawass ein. Darin heißt es u.a.:
[Zitat] Seyfried betont in diesem Zusammenhang:  "Bei meinem Gespräch mit Dr. Hawass ging es keinesfalls darum, im Bezug auf die Büste der Nofretete vermittelnd zu agieren. Die Dokumente zur Fundteilung der Grabung der deutschen Orientgesellschaft vom Januar 1913, die Hawass vorliegen, belegen eindeutig, dass die Büste der Nofretete rechtmäßig in Berlin ist. Die Position der deutschen Seite ist klar und unmissverständlich. Die Erwerbung der Büste durch den preußischen Staat war rechtmäßig. Im Übrigen war der Anlass und Gegenstand des Gesprächs ein ganz anderer. Es ging um die Möglichkeiten zukünftiger Zusammenarbeit wie Restauratorenaustausch, gemeinsame Ausstellungen und ähnliche Kooperationen."
Anderes wäre auch verwunderlich, denn ein solcher Vorgang erfordert Gespräche auf allerhöchster Ebene. Dass die ägyptische Antikenbehörde in ihrer Presseverlautbarung (s.u.) andere Akzente setzt, hinterlässt einen Beigeschmack. Wie bereits angemerkt, wäre es dem SCA sicher auch ohne einen Besuch aus der Direktionsetage des Berliner Museums möglich gewesen, die nun als Betrugsbeweis bezeichneten Dokumente zu sichten, zu beurteilen und anschließend gegebenenfalls zu handeln. Auf diese Weise hätte man sich eine jahrelange aufgeregte Pressekampagne ersparen können - sofern dies gewollt gewesen wäre.

n-tv.de meldet heute, eine Leihgabe würde seitens des Kulturstaatsministers Bernd Neumann abgelehnt: [Zitat] Eine Ausleihe und ein damit verbundener Transport der Büste sei "schon aus konservatorischer Sicht völlig ausgeschlossen", teilte ein Sprecher Neumanns mit. Ein offizielles Rückgabeersuchen der ägyptischen Regierung gebe es nicht. "Verhandlungen kann es darüber auch nicht geben, da der Erwerb seinerzeit rechtmäßig war."
     
Die  Büste der Nofretete im Neuen Museum Berlin



Weitere Pressestimmen:
maerkischeallgemeine.de
n-tv.de
abendblatt.de

20. Dezember 2009
Rückforderung der Nofretete-Büste gewinnt an Fahrt
Gemäß einer aktuellen Pressemitteilung von Zahi Hawass über sein Treffen mit der Direktorin des Ägyptischen Museums Berlin, Friederike Seyfried, wird der SCA-Chef nun eine Zusammenkunft des ägyptischen "Nationalkommitees zur Rückführung von gestohlenen Artefakten" einberufen, das daraufhin die formale Anfrage zur Rückführung der Nofretete-Büste formulieren wird. Hawass führt aus, Seyfried hätte als Museumsdirektorin nicht die Befugnis, über die Rückgabe zu entscheiden. Sie würde jedoch als Verbindungsglied zwischen ihm und den entsprechenden deutschen Offiziellen, Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, und Bernd Neumann, Minister für Kultur, agieren. Grundlage für die Entscheidung des SCA sind Unterlagen, die ihm während des heutigen Treffens vorgelegt wurden. Dabei handelt es sich einerseits um das Fundteilungsprotokoll von Gustave Lefebvre vom 20.01.1913, in welchem das Stück als Gipsbüste einer Prinzessin deklariert wird, und andererseits um einen Auszug aus Ludwig Borchardts Grabungstagebuch, in dem der Ausgräber die Büste in situ vor Ort als ein das Abbild der Königin bezeichnet. "Dieses Material bestätigt Ägyptens Behauptung, dass Borchardt unethisch gehandelt hat, und zwar mit der Absicht der Irreführung: Der Kalksteinkopf der Königin ist im Protokoll aufgelistet als bemalte Gipsbüste einer Prinzessin. Borchardt wusste - wie sein Tagebuch zeigt - dass es sich um die Königin handelt; er wusste auch, dass der Kopf aus Kalkstein gefertigt war, überzogen mit einer bemalten Gipsschicht, und nicht einfach nur aus Gips, da dies deutlich sichtbar war bei der Begutachtung des Stückes. Es scheint  eine Vereinbarung zwischen Borchardt und Lefebvre gegeben zu haben, dass alle Stücke aus Gips (einschließlich einer bedeutenden Sammlung von Gipsmasken der königlichen Familie von Amarna) nach Berlin gehen würden, und dies scheint für Borchardt ein Weg gewesen zu sein, Lefebvre zu täuschen und so sicherzustellen, dass die Büste mit nach Berlin geht ", heißt es in der Pressemitteilung. Diese Wortwahl steht im Widerspruch zu einer Pressemitteilung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz vom 18.12.2009, in der noch einmal die Eindeutigkeit der Eigentumsverhältnisse hervorgehoben wird.

Hinsichtlich der Chancen für die Rückkehr der Nofretete sagte Hawass in einem Interview mit Reuters, er sei immer optimistisch. Bisher sei er mit seinen Anfragen auf Rückführung von Artefakten immer erfolgreich gewesen (haaretz.com).

Der Vorgang wirft Fragen auf. Zum einen hätte man nicht eigens in Borchardts Grabungstagebuch schauen müssen, um festzustellen, dass er die Büste sofort als Nofretete erkannt hat. Ein Blick in seine Publikation (44. Wissenschaftliche Veröffentlichung der Deutschen Orient-Gesellschaft) aus dem Jahr 1923 hätte genügt. Dort steht u.a. "Dann wurde wenig vor der Ostwand - 0,20 m davon, 0,35 m von der Nordwand - etwa in Kniehöhe vor uns zuerst nur ein fleischfarbener Nacken mit aufgemalten roten Bändern bloß. 'Lebensgroße bunte Büste der Königin' wurde angesagt und niedergeschrieben, die Hacke beiseite gelegt und mit den Händen behutsam weitergearbeitet." Das Werk steht in jeder gut sortierten Fachbibliothek - sicher auch in Ägypten. Zum anderen wundert man sich, dass das Fundteilungsprotokoll  von Gustave Lefebvre dem SCA nicht vorliegt und eigens eingeflogen werden musste.

19. Dezember 2009
Offizielle Pressemitteilung von Zahi Hawass zum geborgenen Granitblock
Der Block war von einer griechischen Mission bereits 1998 entdeckt worden, zusammen mit 400 anderen Artefakten. Seit 2002 hatte das SCA zwar ausgeschlossen, Artefakte aus dem Meer zu heben, bei diesem  Block jedoch hat man eine Ausnahme gemacht. Er ist als ausgewähltes Stück für das Unterwassermuseum vorgesehen. In diesem Museum sollen über 200 Objekte aus dem östlichen Hafenbecken Alexandrias und aus Abukir ausgestellt werden. Harry Tzalas, Leiter der Unterwassermission 1998, bestätigt ebenfalls, dass der Block zum Eingang eines Isis-Tempels gehört hat. Allerdings nimmt er an, dass sich in der Nähe dieses Tempels das Grabmal Kleopatras befunden hat. Der SCA ist anderer Meinung.
drhawass.com

17. Dezember 2009
Granitblock aus dem Mittelmeer geborgen
Unterwasserarchäologen haben im Hafen von Alexandria einen pylonförmigen Granitblock gehoben. Das Gewicht wird mit 9 Tonnen angegeben, so dass zur Bergung der Einsatz eines riesigen Krans erforderlich war. Das Stück gehörte zum Eingang eines Isis-Tempels, dessen Standort unweit des Palastes der Kleopatra vermutet wird und der ebenso wie der Palast schon in der Antike im Meer versank. Der Granitpylon soll zentrales Exponat in dem in Planung befindlichen Unterwassermuseum von Alexandria werden.
AP

17. Dezember 2009
Auswirkungen des Klimawandels in Ägypten
Durch das Steigen des Meeresspiegels um jährlich 5 mm und das Absinken des Nildeltas um einen Wert zwischen 1,5 und 2,75 mm ergibt sich für Ägypten eine Summe von etwa 7 mm. In einem Zeitraum von 100 Jahren könnte demzufolge der Meeresspiegel um 70 cm ansteigen, vorausgesetzt es bleibt bei diesen Werten. Ägyptische Umweltexperten sind da eher skeptisch und erwarten für die Zukunft höhere Werte. Gegen den schon seit längerem spürbaren Anstieg des Meeresspiegels an Ägyptens Mittelmeerküste versucht man sich durch den Bau von Deichen zu schützen. Einige Landstriche sind jedoch in der jüngeren Vergangenheit bereits im Meer versunken. Schätzungen zufolge könnten in diesem Jahrhundert 10 bis 15 % des Nildeltas von Überschwemmungen bedroht sein, mit verheerenden Folgen für 5 bis 6 Millionen Menschen, die dort ansässig sind. Pessimisten gehen sogar von einer 40prozentigen Überflutung des Deltas aus. Ohne Maßnahmen zur Gegensteuerung mutiert in nicht allzu ferner Zukunft ein Ausflug zu den Pyramiden wohl zu einem Bootstrip.
woz.ch

16. Dezember 2009
Nachweis von Lepra in Jerusalemer Gruft
In Jerusalem untersuchten Wissenschaftler einen männlichen Leichnam aus der Zeit Jesu und stellten fest, dass er an Tuberkulose und Lepra gelitten hatte. Zum ersten Mal war dafür ein Grab aus dem 1. Jahnhundert mit molekularen Mitteln untersucht worden. "Der Fund von Tuberkulose und Lepra bei den Menschen, die hier begraben liegen, ist wichtig für das Verständnis der geografischen und zeitlichen Verbreitung von Tuberkulose und Lepra im Altertum", sagt der Forscher C.D. Matheson von der Universität Lakehead in Kanada. Erst vor kurzem hatten Forscher der ETH Lausanne Lepra auch an einer ägyptischen Mumie aus dem 4. Jahrhundert analysiert.
nzz.ch
plosone.org
wyeth.at

14. Dezember 2009
Stein des Anstoßes: Der Stein von Rosetta
In letzter Zeit häufen sich widersprüchliche Meldungen. Zunächst hieß es, Ägypten wünscht sich vom British Museum den Rosettastein als Leihgabe, wenig später mündet dieser Wunsch von Zahi Hawass in eine unmissverständliche Rückforderung: "Ich habe das British Museum noch nicht angeschrieben, aber ich werde es tun. Ich werde denen sagen, dass die endültige Rückkehr des Steins von Rosetta nach Ägypten notwendig ist. Das British Museum hat Hunderte und Tausende von Artefakten im
Keller und in der Ausstellung. Ich möchte, dass nur ein einziges Stück nach Ägypten zurückkommt, der Stein von Rosetta. Er ist ein Symbol unserer ägyptischen Identität und seine Heimat sollte Ägypten sein." Der harsche Ton ist wohl Resultat einer Korrespondenz zwischen der ägyptischen Antikenbehörde und dem Museum. Letzteres hatte, ehe es über eine Leihgabe entscheiden wollte, nähere Angaben zu den Sicherheitsvorkehrungen in Ägypten angefordert. Ob Hawass' Rückforderung ernst gemeint ist oder ob die Zustimmung hinsichtlich einer Leihgabe durch die Briten die Wogen wieder glätten könnte, geht aus den Medienberichten nicht hervor.
Bei dem Stein des Anstoßes handelt es sich bekanntlich um eine Basaltplatte, die ein Dekret enthält, das sowohl in Hieroglyphen als auch in demotischer und griechischer Schrift verfasst wurde. Die Inschrift war Grundlage für die Entzifferung der Hieroglyphen durch Champollion. Soldaten Napoleons fanden das Stück bei ihrem Ägypten-Feldzug. Nach der Niederlage des Feldherrn gelangte es in den Besitz der Briten. Seit 1802 gehört es zum Fundus des British Museum.
reuters
AFP
timesonline.co.uk
news.bbc.co.uk

06. Dezember 2009
Ägypten initiiert internationale Konferenz zur Rückgabe von Artefakten
Ägypten möchte Antikenbehörden aus verschiedenen Ländern (u.a. Griechenland, Italien, China und Mexiko) zu einer Konferenz einladen, auf der über die Rückgabe diverser Antiquitäten an ihre Herkunftsländer diskutiert werden soll. Nach Aussage von Zahi Hawass ist man dabei, die Veranstaltung vorzubereiten; ein Datum steht noch nicht fest. Erwartet wird, dass sich zwölf Länder beteiligen, eventuell sogar mehr.
presstv.ir
theage.com

05. Dezember 2009
Nofretete bleibt in Berlin
Michael Eissenhauer, Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, stellt noch einmal klar, dass die Büste der Nofretete selbstverständlich in Berlin bleibt. Er weist auch darauf hin, dass es von offizieller ägyptischer Seite keinerlei Forderungen auf Rückgabe gäbe. Der Generalsekretär des SCA Zahi Hawass versucht seit Jahren, die Rückgabe der Büste zu erwirken. Erst jüngst ließ er verlauten, er könne nachweisen, dass sie illegal nach Deutschland gelangt sei (siehe auch Beitrag vom 04.11.2009). Dies ginge aus ihm vorliegenden Dokumenten hervor. Eissenhauer erklärt diplomatisch, Hawass wolle die historischen Unterlagen noch einmal prüfen und die Berliner Offiziellen würden gern dabei behilflich sein; er lege Wert auf ein vertrauensvolles Verhältnis mit Ägypten. Er sei jedoch überzeugt, dass es bei der Fundteilung zwischen der ägyptischen Antikenbehörde und dem Nofretete-Ausgräber Ludwig Borchardt keine Unregelmäßigkeiten gegeben habe.
szon.de
welt.de
rbb-online.de

Das angekündigte Gespräch zwischen SCA-Chef Zahi Hawass und der Direktorin der Ägyptischen Museums Berlin, Friederike Seyfried, soll nunmehr am Vormittag des 20.12.2009 stattfinden, meldet der Tagesspiegel.

05. Dezember 2009
Goldgräberstimmung in den Fußstapfen der Pharaonen
Nach positiven Analyseergebnissen an Mineralproben aus El Fawakhir in der ägyptischen Ostwüste durch ein Explorations- und Bergbauunternehmen erwägt Ägypten, dort wieder nach Gold schürfen. Im fraglichen Gebiet wurde schon in pharaonischer Zeit Gold gewonnen.
pr-inside.de

04. Dezember 2009
Die Leiden der Ägypter
Die Wissenschaft hat sich speziell in letzter Zeit dankenswerter Weise eingehend mit der Untersuchung von Mumien beschäftigt und dazu modernste Technologien zum Einsatz gebracht. So gelingt es nach und nach, sich ein immer besseres Bild von der Lebensweise der Menschen zu machen, zu dem die nachgewiesenen Krankheiten und Leiden in erheblichem Maße beitragen.

Das Züricher "Swiss Mummy Project" hat in mehr als 3.000 Mumienuntersuchungen und über 100 Studien innerhalb der letzten 30 Jahre nicht nur Hinweise für Tuberkulose und Arteriosklerose gefunden (siehe auch Beitrag vom 17.11.2009), sondern auch Anzeichen für Mittelohrentzündungen, Parodontose, Abszesse, Infektion der Mundschleimhaut bis hin zu Lungenerkrankungen wie Lungenentzündungen, Emphyseme und Ödeme. Einige der Lungenleiden würden wir heute als "Raucherlunge" bezeichnen. Die von den Paläopathologen gefundenen Rauch- bzw. Kohlerückstände stammen wahrscheinlich von Luftverschmutzungen infolge offenen Feuers. Reichlich vorhanden sind auch Knochenbrüche. Die meisten der untersuchten Mumien stammen aus der Zeit von 500 v. Chr. bis zur Zeitenwende. Bei einem Drittel wurde das Geschlecht nicht ermittelt und bei wenigen ließ sich die Todesursache feststellen. Die Hälfte der untersuchten Personen starb im Alter zwischen 20 und 40 Jahren. Trotz der umfassenden Untersuchungen bleiben noch viele Fragen offen. Erfahrungsgemäß sind Darminfektionen häufig für den Tod von Kindern verantwortlich. Derartige Erkrankungen hinterlassen jedoch an Mumien meist keine Spuren, so dass ein Nachweis kaum möglich ist. Bei vier Verstorbenen konnte mit einiger Sicherheit festgestellt werden, dass sie an Lungenentzündung, Lungenödem, Neurofibromatose oder chronischer Ohrenentzündung starben. Andere wiederum fielen wahrscheinlich undefinierbaren Wunden, Infektionen oder Entzündungen zum Opfer, aber auch Unterernährung; bei einem Probanden wird ein gewaltsamer Tod vermutet. Die ägyptische Mumifizierungspraxis, den Verstorbenen die Organe zu entnehmen, stellt die Wissenschaftler vor Probleme. Könnte man auch Organe untersuchen, wären die Ergebnisse wesentlich aussagekräftiger.
news.discovery.com
wissenschaft-aktuell.de

Durch die gerade in den letzten Jahren auf allen Kontinenten vermehrt durchgeführten Untersuchungen an Mumien stehen inzwischen vermutlich Tausende von Einzelergebnissen zur Verfügung. Es wäre vielleicht wünschenswert, eine internationale Datenbank einzurichten, um alle Ergebnisse zu erfassen. Eine derartige Basis könnte einen wertvollen statistischen Überblick verschaffen, auch wenn es Unsicherheitsfaktoren gibt, da die bisherigen Mumienfunde kein vollständiges Bild liefern.

02. Dezember 2009
Widerspruch aus dem Iran zum "Knochenfund von Siwa"
Am 08.11.2009 wurde berichtet, dass zwei italienische Wissenschaftler meinen, auf die Überreste der im Wüstensand verschollenen Armee des Kambyses gestoßen zu sein. Die ägyptische Antikenbehörde hat die Angaben der Italiener bereits als nicht zutreffend abgetan. Iranische Archäologen schließen sich nun der ägyptischen Auffassung an und halten zum Teil sogar den Bericht Herodots für frei erfunden. Es wird darauf hingewiesen, dass es von Seiten der Perser keinerlei historische Aufzeichnungen gäbe, die Herodot bestätigen. Der iranische Archäologe Moradi Ghiasbadi bezieht sich auf eine Inschrift in Bisotun, in der sich Darius auch zu Kambyses äußert. Dort sei von einem Feldzug gegen die Ammonier nicht die Rede. Außerdem, so das Argument von Ghiasbadi, sei Kambyses eines natürlichen Todes gestorben. Dieses Argument ist allerdings unverständlich, denn Herodot behauptet nichts anderes. Es ist für antike Schriftzeugnisse auch keineswegs ungewöhnlich, dass eigene Fehlleistungen in zeitgenössischen Inschriften nicht auftauchen. Der iranische Archäologe Mir-Abedin Kaboli allerdings lehnt die Geschichte Herodots nicht vollends ab, hält allerdings die Größe der Armee (50.000 Soldaten) für eine Übertreibung. Auf den von den italienischen Ausgräbern veröffentlichten Fotos sei andererseits nicht eindeutig erkennbar, dass es sich bei ihrem Fund tatsächlich um die Reste der persischen Armee handelt.
tehrantimes.com vom 02.12.2009