ÄgyptologieNewsPaper
Redaktion, Texte und Abbildungen (sofern nicht anders erwähnt): Gitta Warnemünde
  Dezember 2010

30. Dezember 2010
Hafenanlage bei Snofrus Knickpyramide in Dahschur

Über diesen archäologischen Fund berichten verschiedene Medien. Es handelt sich dabei allerdings möglicherweise um das Ergebnis einer Grabungskampagne des DAIK, die von Herbst 2009 bis zum Frühjahr 2010 stattfand. Schon im August 2010 wurde darüber berichtet (siehe Beitrag vom 25.08.2010 mit Link zum entsprechenden Grabungsbericht). Außer dem 90 x 140 m großen Hafenbecken, das ursprünglich sicher über einen Kanal mit dem Nil verbunden war, stießen die Archäologen auf einen überdachten Aufweg, der vom Tempel am Aufweg der Knickpyramide zum Hafenbecken führt. Das gewölbte Dach stammt allerdings aus späterer Zeit (6. Dynastie) als die Seitenwände (Snofru, 4. Dynastie). Diese Datierung entspricht in etwa einem Dekret den Königs Pepi I., das er in seinem 21. Regierungsjahr zugunsten der Pyramidenstadt Snofrus erließ - ein Zeichen dafür, dass der Kult für Snofru auch knapp 300 Jahre nach dessen Tod noch gepflegt und von höchster Stellen autorisiert worden war. Das DAIK-Team legte weiterhin eine Rampe aus dem Neuen Reich frei, die wahrscheinlich zum Abtransport von Steinblöcken aus dem Pyramidentempel benutzt worden war, um das so gewonnene Baumaterial einer andereren Verwendung zuzuführen.
austria
spiegel



27. Dezember 2010
Sammlung demotischer Ostraka in Soknopaiou Nesos entdeckt

Die Ausgräber des Soknopaiou Nesos Projekts fanden bei ihrer Arbeit in der antiken Siedlung, die wohl bereits in pharaonischer Zeit existierte, jedoch ihre Blüte erst in griechisch-römischer Zeit erlebte, eine Anzahl von Ostraka mit den Namen von Priestern, die einst im dortigen Sobek-Tempel Dienst taten. Die Ostraka wurden außerhalb des Tempels gefunden. Grabungsleiter Mario Capasso vermutet, dass Raubgräber sie am Ende des 19. Jhdts. aus den Tempelruinen warfen; ursprünglich seien sie wahrscheinlich in einem Lagerraum verwahrt worden, der sich im Hof vor dem Tempel befand.

Soknopaiou Nesos / Dime ist eine reiche Fundstätten für Tausende von Papyri und Ostraka mit griechischen und demotischen Inschriften.Vor einigen Jahren ist das Datenbankprojekt Dime online eingerichtet worden, das bereits viele dieser schriftlichen Quellen zusammengetragen hat, um sie in einer Datenbank zu veröffentlichen. Dieses Instrument macht auch Verwandtschaftverhältnisse transparent, so dass u.a. ganze Familien erkennbar werden.
drhawass.com
newsdiscovery


Informationsdienst Wissenschaft - idw
Pressemitteilung des Deutschen Archäologischen Instituts
20. Dezember 2010
Kairo und Berlin – eine doppelte Würdigung für Carl Richard Lepsius

Zum 200. Geburtstag von Carl Richard Lepsius würdigten das Deutsche Archäologische Institut, Abteilung Kairo (DAIK) und die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (BBAW) den Begründer der Ägyptologie in Deutschland mit zwei koordinierten Tagungen in Kairo und Berlin. Mit zwei koordinierten Tagungen in Kairo und Berlin würdigten das Deutsche Archäologische Institut, Abteilung Kairo (DAIK) und die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissen-schaften (BBAW) den Begründer der Ägyptologie in Deutschland, Carl Richard Lepsius. Sein Geburtstag jährt sich am 23. Dezember 2010 zum 200. Mal. Carl Richard Lepsius leitete von 1842–1845 die von der damaligen Akademie der Wissenschaften durchgeführte Königlich Preußische Expedition nach Ägypten und markiert damit auch den Beginn der deutschen archäologischen Arbeit in Ägypten. Akademiepräsident Günter Stock, der beide Veranstaltungen eröffnete, verwies darauf, dass Lepsius auch „ein prominentes Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften, der Vorläuferorganisation der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften“ war.

Die Tagung in Kairo (14.–16. Dezember 2010), die Stephan Seidlmayer, Akademiemitglied und Direktor des DAI in Kairo, organisierte, stand unter dem Titel “Culture and Politics in Egyptian European Relations in the Reign of Muhammad Ali Pasha”. Neben Günter Stock hielten der Deutsche Botschafter in Kairo Michael Bock sowie Prof. Dr. Tonio Hölscher, Vorsitzender der Zentraldirektion des DAI, die Eröffnungsreden. Die Tagung richtete den Blick auf das komplexe Verhältnis zwischen politischen Interessen und kultureller Interaktion in den Beziehungen Ägyptens zu den europäischen Nationen in vorkolonialer Zeit. Das wissenschaftliche Interesse galt drei Themenbereichen: Den politischen Rahmenbedingungen, geprägt durch die sich entwickelnde Dominanz der europäischen Nationen, den individuellen Biographien, die sich aus vielfach noch unpubliziertem Archivgut erschließen sowie der künstlerischen und archäolo-gischen Dimension der ägyptisch-europäischen Kontakte. Historiker, Kunsthistoriker, Arabisten, Islamwissenschaftler und Ägyptologen aus Ägypten, Deutschland, Frankreich, Österreich, Polen, Ungarn und den Vereinigten Staaten entwickelten in ihren Beiträgen neue Aspekte dieses For-schungsfeldes. Zu den bislang vernachlässigten Bereichen gehören die ägyptische Perspektive und der besondere Charakter des deutschen Orientalismus.

Die Berliner Tagung (17. Dezember 2010), konzipiert von Ernst Osterkamp, Akademiemitglied und Literaturwissenschaftler, reflektierte die Orientbilder des 19. Jahrhunderts. Carl Richard Lepsius hatte dank seiner Expedition entscheidend zur Verwissenschaftlichung des Orientbildes beigetragen, die auch in den Künsten zu einer Neuvermessung des Orients führte. Im 19. Jahrhundert reisten erstmals Maler im großen Stil an die Originalschauplätze des Orients in Nordafrika, im Mittleren Osten und Asien, ihre Gemälde und Fotografien förderten einerseits den Tourismus, andererseits prägten sie ein Bild des Orients, das im Zeitalter des Kolonialismus stark von kultureller Überheblichkeit bestimmt war. Für akademische Künstler stand damals die Suche nach den Wurzeln der Zivilisation im Orient im Vordergrund. Weniger Realitätsbezogen und deutlich geringer von der Verwissenschaftlichung der Wahrnehmung des Orients erfasst, sind die Zeugnisse des literarischen Orientalismus, der trotz seiner großen Büte im 19. Jahrhundert noch wenig erforscht ist. „Wir sind bisher noch weit davon entfernt, das Phänomen des literarischen Orientalismus auch nur annähernd in seinen Imaginationsformen, in seinen darstellerischen, gattungshistorischen, thematischen und ideengeschichtlichen Variationen und Schwerpunkten kartographiert zu haben“, sagte Ernst Osterkamp als Resümee der Berliner Tagung.

Als weitere Würdigung von Karl Richard Lepsius ist für das Jahr 2011 eine öffentliche Vortrags-reihe zwischen dem Akademienvorhaben „Altägyptisches Wörterbuch“, dem Ägyptischen Museum und der Papyrussammlung und der Jungen Akademie geplant.

Pressekontakt:
Nicole Kehrer
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des DAI
Tel.: 030/18 77 11-120
E-mail: presse@dainst.de

Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften
Leitung Informations- und Kommunikationsreferat
Gisela Lerch
Jägerstraße 22/23, 10117 Berlin
Tel. 030/20370-657, Fax: 030/20370-366
E-mail: lerch@bbaw.de www.bbaw.de

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16. Dezember 2010
Erneut Statuenfund in Kom el-Hettan

Auf dem Gelände des Tempels Amenophis' III. in Theben West wurden wiederum monumentale Granitstatuen gefunden; eine zeigte einst Hapi, einen der vier Horussöhne. Die große Anzahl von Statuen bzw. Fragmenten, die in ein und derselben Region des Tempelgeländes gefunden wurden, gibt Anlass zu der Vermutung, dass diese hier zu einem bisher nicht zu bestimmenden Zeitpunkt rituell bestattet worden sind.
drhawass.com


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Pressemitteilung der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
07. Dezember 2010
Leibniz-Preis für Ägyptologen der Universität Heidelberg
Prof. Dr. Joachim Friedrich Quack erhält Forschungspreis der Deutschen Forschungsgemeinschaft

Prof. Dr. Joachim Friedrich Quack, Direktor des Ägyptologischen Instituts der Universität Heidelberg, erhält den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis 2011 der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Der Heidelberger Wissenschaftler wird als einer der „international bedeutendsten deutschen Ägyptologen“ ausgezeichnet, wie die DFG mitgeteilt hat. Die Auszeichnung – der bedeutendste Forschungspreis in Deutschland – ist mit einem Preisgeld von 2,5 Millionen Euro verbunden. Die Mittel kann Prof. Quack für künftige Forschungsaktivitäten einsetzen. Der Preisträger will damit nicht nur seine Arbeiten auf dem Gebiet der späten ägyptischen Papyri intensivieren, sondern auch gezielt den wissenschaftlichen Nachwuchs in diesem Bereich ausbilden. „Ich empfinde die Preisverleihung als große Ehre“, betonte Prof. Quack. „Sie ist für mich auch ein Ansporn, mit voller Energie meine derzeit laufenden Projekte einer abschließenden Publikation zuzuführen.“

Zur Verleihung des „Förderpreises im Gottfried Wilhelm Leibniz-Programm“ an Joachim Friedrich Quack schreibt die Deutsche Forschungsgemeinschaft: „In allen Entwicklungs- und Sprachformen des Ägyptischen gleichermaßen souverän beheimatet, widmet er sich vor allem der späteren Ägyptologie und hier besonders der griechisch-römischen Zeit. Diese wurde in der traditionellen Ägyptologie lange eher stiefmütterlich behandelt und konnte so weder ihren eigenen Reichtum noch ihre Bedeutung für die anderen klassischen Altertumswissenschaften entfalten.“ Es sei Prof. Quacks Verdienst, damit eine ganze Epoche der ägyptischen Kulturgeschichte in ihrer faszinierenden Eigenheit und historischen Bedeutung erschlossen und zugänglich gemacht zu haben. Fundamental seien auch seine Forschungen zur Rekonstruktion des „Buches vom Tempel“, eines der wichtigsten Dokumente der ägyptischen Religionsgeschichte. Ausgehend von nur zwei Papyri konnte der Heidelberger Wissenschaftler Dutzende über die ganze Welt verstreute Handschriften ausfindig machen und zusammenführen. Derzeit arbeitet er an einer kommentierten Edition des Textes.

Joachim Friedrich Quack (Jahrgang 1966) studierte Ägyptologie, Semitistik und Biblische Archäologie an der Universität Tübingen; ein Auslandsaufenthalt führte ihn 1988/1989 nach Paris. Nach Abschluss seines Magisterstudiums begann er 1991 mit Förderung der Studienstiftung des deutschen Volkes die Arbeit an seiner Dissertation und nahm zugleich ein Zweitstudium der Altorientalistik sowie der Vor- und Frühgeschichte auf. Der Promotion 1993 und Lehrtätigkeit in Tübingen folgte ein Ausbildungsstipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft, das Joachim Friedrich Quack 1995/1996 nach Kopenhagen führte. Dort arbeitete er ein Jahr als Mitarbeiter des International Committee for Publishing the Carlsberg Papyri. 1996/1997 erhielt er ein DFG-Forschungsstipendium zur Rekonstruktion des „Buches vom Tempel“. An der Freien Universität Berlin war er von 1997 bis 2002 als wissenschaftlicher Angestellter am Ägyptologischen Seminar tätig. Dort konnte er 2003 seine Habilitation „Beiträge zu den ägyptischen Dekanen und ihrer Rezeption in der griechisch-römischen Welt“ abschließen und erhielt im Anschluss daran ein Heisenberg-Stipendium der DFG. Im Jahr 2005 wurde Joachim Friedrich Quack als Nachfolger von Jan Assmann an das Ägyptologische Institut der Ruperto Carola berufen. Seit 2009 ist Prof. Quack ordentliches Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften.

Zu den Arbeitsschwerpunkten von Prof. Quack gehören Sprache, Literatur und Religion des Alten Ägypten, wobei ein besonderer Schwerpunkt der Arbeit auf der Erschließung bislang unpublizierter Texte aus den Archiven ägyptischer Tempel der Römerzeit liegt. Im Exzellenzcluster „Asien und Europa im globalen Kontext“ koordiniert der Wissenschaftler das Forschungsprojekt „Medizinische Systeme im Wandel: der Fall Alter Orient“ in Zusammenarbeit mit dem Altorientalisten Prof. Dr. Stefan M. Maul. Die Forscher gehen hier der Frage nach, inwieweit die gesellschaftliche Stellung verschiedener Medizinalsysteme über die therapeutische Wirksamkeit hinaus durch politisch-ökonomische Faktoren beeinflusst wird. Im ersten Stadium der Arbeit wird dabei die Ersterschließung bislang nicht veröffentlichter oder unzureichend vorgelegter Quellen in den Mittelpunkt gestellt. Prof. Quack leitet außerdem gemeinsam mit dem Althistoriker Prof. Dr. Christian Witschel das Cluster-Projekt „Orientalische Kulte“, in dem es um religiöse Austauschprozesse sowie die Ausbreitung von Kulten im Römischen Reich geht. Am Sonderforschungsbereich „Ritualdynamik“ ist er Leiter des Projekts „Die Variation der Tradition“. Das Vorhaben widmet sich der Frage, inwieweit ägyptische Ritualtexte im Verlauf einer oft jahrtausendelangen Tradierung substantiellen Veränderungen ausgesetzt sind und wie sie auch in speziellen Niederschriften im Tempel bewusst angepasst wurden.

Der Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis wird seit 1986 jährlich von der DFG verliehen. Für das Jahr 2011 hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft vier Wissenschaftlerinnen und sechs Wissenschaftler als Preisträger benannt; Prof. Quack ist der einzige aus dem Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften. Die Preisverleihung findet im März kommenden Jahres in Berlin statt.

Kontakt:
Prof. Dr. Joachim Friedrich Quack
Ägyptologisches Institut Telefon
(06221) 54-2532
joachim_friedrich.quack@urz.uni-heidelberg.de
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05. Dezember 2010
Ptolemäischer Tempel im Delta freigelegt

Einen von Ptolemäus II. Philadelphos erbauten Tempel legten Wissenschaftler der University of Hawaii in Tell Timai (Thmuis) im Ostdelta frei. Robert Littmann, der Leiter der Expedition, vermutet, dass Ptolemäus das Bauwerk zu Ehren seiner Gemahlin, Arsinoe II., errichten ließ. Es sei jedoch noch viel zu tun, meint Littmann. Bisher fand man lediglich kannellierte Säulen und eine Inschrift, die Kartusche von Ptolemäus II. Nach der Säulengröße zu urteilen, muss es sich um einen sehr großen Tempel gehandelt haben. Technische Hilfsmittel wie Bodenradar sollen nun zunächst Details zu Grundriss und Abmessungen des Geländes zu Tage fördern.
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