Der Totentempel von Amenophis' III.
Grabungen und Restaurierungen am Kom el-Hettan
Der Totentempel Amenophis' III. muss zu seiner Zeit ein wahrer Prachtbau gewesen sein. Nach seinen vermuteten Ausmaßen war er der grösste Totentempel überhaupt in Theben-West. 

Der moderne Besucher nimmt nur noch die schon von weitem nicht zu übersehenden sogenannten Memnonkolosse wahr, zwei Sitzstatuen Amenophis' III. Wann immer man das ehemalige Tempelgelände passiert, man wird nie mehr als ein oder zwei Touristenbusse bemerken. Die Besucher machen kurz Halt, um auf ihrem Wege zu den bekannten Sehenswürdigkeiten in Theben-West kurz die beiden Memnons (eine griechische Wortschöpfung) zu besichtigen. Es bleibt keine Zeit, sich das Areal genauer anzusehen.

Nachdem das gesamte Tempelgelände mehr und mehr zu verfallen drohte - bereits in antiker Zeit hatten Erdbeben den verbliebenen Resten schwer zugesetzt, wurde die Abteilung Kairo des Deutschen Archäologischen Institutes (DAIK) im Frühjahr 1989 gebeten, in Zusammenarbeit mit der ägyptischen Antikenbehörde erste Untersuchungen zur Konsolidierung der Memnonkolosse durchzuführen. Zunächst wurde eine komplette photogrammetrische Aufnahme der Statuen angefertigt und ausgezeichnet.

Im Jahre 1998 - der Kom el-Hetan war inzwischen in die World Monument Fund Liste der hundert meistgefährdeten Denkmäler aufgenommen worden - begann Rainer Stadelmann in Zusammenarbeit mit Hourig Sourouzian, das Gelände mühevoll zu sanieren. Keine leichte Aufgabe angesichts der Verwüstungen, die Erdbeben, Feuer, Grundwasser und wucherndes Unkraut bereits angerichtet hatten.

Im November 2001 hatte ich Gelegenheit, mir die bis dahin sichtbaren Ergebnisse der wissenschaftlichen Arbeiten anzusehen. Und ich nahm mir dafür sehr viel Zeit. Erst wenn man das riesige Gelände sehendes Auges abschreitet, kann man sich in seiner Fantasie ein Bild von der vergangenen Pracht machen. Stadelmann und Sourouzian haben glänzende Arbeit geleistet. Fragmente und Monumente wurden dem Sumpf, in dem man als Besucher unablässig Gefahr läuft bis zum Knöchel zu versinken, förmlich entrissen. Sie wurden auf Betonsockel gesetzt, um ihnen einen trockenen Untergrund zu verschaffen. Der wildwuchernde Kameldorn wurde entfernt - eine Lebensaufgabe wenn man bedenkt, wie rasant diese Pflanze sich sofort wieder ausbreitet. Und die Salzkrusten, die das im Laufe der Jahre mehr und mehr gestiegene Grundwasser hinterlässt, sind nach wie vor nicht zu übersehen.

Aber trotz dieser sicherlich immer noch unbefriedigenden Situation empfand ich es als großen Genuss, mir die Früchte der archäologischen Arbeit anzuschauen. Ich kann diese kleine Entdeckungstour jedem nur empfehlen.

Details zu den Restaurierungs- und Ausgrabungsarbeiten siehe MDAIK, Band 57

Eine der beiden Weihestelen des Tempels Stützkonstruktion
Fragmente mit Inschriften Detail: Thron- und Eigenname des Königs
Torso eine Krokodilstatue Sphingentorso