Ein Reisebericht
Ägypten im Frühjahr 2000
Teil 1 - Die Pyramidentour

 
Fotos und weitere Informationen zu den antiken Stätten

 
Mein Flug ging von Berlin nach Luxor und von dort sollte es mit der Bahn weitergehen nach Kairo, wo ich die erste Woche verbringen wollte. Hier ergaben sich dann auch schon die ersten Schwierigkeiten. Alle Züge nach Kairo ausgebucht! Dabei hatte der nette junge Mann vom ägyptischen Fremdenverkehrsbüro in Frankfurt am Main auf meine telefonische Nachfrage mich doch mit einem souveränen "Kein Problem" beruhigt. Glücklicherweise trat mir jemand sein Ticket ab - allerdings nicht für den von mir geplanten Nachtzug und auch nicht erster, sondern zweiter Klasse. So verließ ich also gegen 17.30 Uhr Luxor. Die Fahrt war ein Erlebnis für sich, um mich herum nette, hilfsbereite Ägypter, die meist zwar kein Englisch sprachen, mir aber viel Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft entgegenbrachten. Ob noch weitere Europäer in diesem Zug saßen, vermag ich nicht zu sagen. Gesehen habe ich sie nicht. Ungefähr 13 Stunden später erreichte der Zug Kairo, Ramsis Station. Glücklicherweise hatte ich meinen "Fahrdienst" bereits von Berlin aus organisiert. So kam ich also mit dem Taxi von Ibrahim sicher, aber ein wenig müde in meinem Hotel an.


Nach Frühstück und Dusche war von der Müdigkeit nicht mehr viel übrig und so war mein erster Weg der ins Museum. Ich hatte mir schon in Deutschland den Museumsführer besorgt und mich ein bißchen vorbereitet - zumindest dachte ich das. Aber dann habe ich doch einfach den klassischen Rundgang durch die Epochen gemacht. Das Museum war für mich die reinste Fundgrube, ist aber an einem Tag nicht zu schaffen. So habe ich mich also mit ersten Eindrücken versorgt und werde diese beim nächsten Besuch in Kairo (und der ist gewiß) vertiefen. Natürlich habe ich mir das Gold von Tut-anch-Amun angesehen, das mich aber nicht so begeistert hat wie alles andere; es war mir einfach alles zu golden. Stelen, Skulpturen, Sarkophage, Reliefs, Malereien fand ich ungleich interessanter. Obwohl der künstlerische Wert des Schatzes einzigartig ist. Was aber sein mußte, war der Mumiensaal, auch wenn dafür noch einmal extra Eintritt fällig war. Sethos I. und Ramses II.  haben bei mir einen ausgesprochen königlichen Eindruck hinterlassen, wie es sich für Majestäten gehört.


Am zweiten Tag gings dann nach Giza. Leider habe ich nicht einmal versucht, mir die Pyramide des Cheops anzusehen, weil ich glaubte, sie sei geschlossen. Das war allerdings eine Fehlinformation - und damit steht bereits der zweite Punkt des Programms für das nächste Mal. Dafür war ich in der Pyramide des Mykerinos: die erste Übung für Pyramidenbesichtigungen - mit krummem Buckel durch die Gänge - und es sollten noch einige folgen.  Das ganze Plateau ist ein unglaublich interessanter Komplex. So wanderte ich einmal um alle drei Pyramiden, sah mir die Reste der Taltempel an und besuchte einige Beamtengräber der 5. und 6. Dynastie. Alles herrliche Gräber mit hervorragenden Reliefs. Dann gings auch mal querfeldein über das Gräberfeld; dort habe kurz in einige nicht öffentliche Gräber hineingeschaut. Schon diese flüchtigen Einblicke ließen ahnen, wie wunderschön sie sein müssen. Schließlich mußte ich mir noch das restaurierte und in einem eigenen Museum ausgestellte Kult-Schiff des Cheops angesehen. Das ist wirklich sehr lohnenswert, denn man bekommt einen ausgezeichneten Eindruck über das Schiffsbauhandwerk, um nicht zu sagen -kunst, von vor 4500 Jahren. Dieses und andere Schiffe wurden von Archäologen in Schiffsgräbern nahe der Pyramiden gefunden. Sie sollten den Königen auch im Jenseits als bequemes Fortbewegungsmittel dienen.  Von den Ausmaßen und der Bauweise der Schiffsgräber hatte ich mich vorher schon überzeugt. 

Beim großen Sphinx ist mir dann etwas passiert, das vielleicht manchen zum Kopfschütteln, mich aber doch eher zum Schmunzeln anregt: Für den Zugang zum Sphinx hatte ich kein Ticket, bin dann aber mit 5 LE Bakschisch hineingekommen in den Taltempel des Chephren, der den Eingang bildet. Nur - ich fand den Ausgang in Richtung Sphinx nicht!!! Das Dumme war, soviele Menschen sich an den Pyramiden tummelten, in diesem Tempel war keine Seele, niemand, dem ich mich hätte anschließen können. Also habe ich mich wieder hinausgestohlen und wollte außerhalb einmal herumlaufen, um mir das Bauwerk wenigstens durch den Maschendrahtzaun anzusehen. Dort allerdings bot mir ein einsamer Polizist an, einfach durch den Zaun zu krabbeln. Der bereits vorhandenen Beule nach zu urteilen, war ich nicht die erste. Auch das ging nicht ohne Bakschisch, wieder 5 LE. Ein normales Ticket hätte auch 5 LE gekostet, aber nur einmal. So etwas nennt man wohl Lehrgeld; ich hatte jedenfalls meinen Spaß dran. Als ich den Ort wieder verließ, war mir ganz kurz so, als würde der Mann am Eingang mich ein wenig nachdenklich anschauen: einmal rein und zweimal raus? 

Alles in allem sollte man sich in Giza nicht nur auf die Pyramiden konzentrieren. Rundherum gibt es auch eine Menge zu sehen.



Am Tag darauf, pünktlich um 8.00 Uhr, holte mich Ibrahim mit seinem Taxi vom Hotel ab und es ging nach Sakkara. Die Fahrtzeit beträgt zu der Zeit ca. 1 Stunde. Dort ist es morgens noch herrlich leer, wie eigentlich überall. Die Massen kommen erst gegen 10.00/11.00 Uhr und die Souvernierverkäufer sind auch noch nicht richtig wach. Die Stufen-Pyramide des Djoser mit dem leuchtend gelben, palastartigen Tempel ist ein Anblick, den man so schnell nicht vergißt. Ich habe mir viel Zeit gelassen, um mir die wunderbare Bildhauer-Kunst genau anzusehen. Und zwischendurch ließ ich keine Gelegenheit aus, mich immer wieder am Ausblick zu erfreuen: auf der einen Seite die Wüste, auf der anderen Seite das grüne Fruchtland. 

Danach ging ich - mutterseelenallein, denn die Touristengruppen scharen sich um die Pyramide - über das südliche Mastabafeld, machte Fotos von Stelen, Skulpuren und Scheintüren. Kurz darauf tauchte von irgendwoher einer der Wächter auf und führte mich zu meiner Begeisterung zu teilweise in Schuppen lagernden Sarkophagen bzw. Teilen davon. Leider waren Inschriften kaum zu erkennen, so dass eine Zuordnung nicht möglich war. Daraufhin fragte ich dann beiläufig nach dem Grab des Haremhab, das noch etwas weiter südlich liegt und, wie ich wußte, nicht öffentlich ist. Natürlich wurde der Mann mit dem Schlüssel ausfindig gemacht, und ich konnte mir wenigstens den Säulenhof des Grabes anschauen, wo noch restauriert wird.  Daneben lagen noch zwei weitere, ähnliche, ebenfalls geschlossene Gräber, deren Säulenhöfe ich mir kurz angesehen habe: Ti und Maya. So kam ich also auch hier voll auf meine Kosten und die beiden zu ihrem Bakschisch. 

Natürlich mußte ich auch die neu eröffneten Noblengräber der 5. Dynastie, u.a. das Doppelgrab Nianchchnum und Chnumhotep,  besuchen, die sich am Fuße des Unas-Aufweges befinden, wo wieder colorierte Reliefs in einer solchen Fülle vorhanden sind, dass man nicht weiß, wo man anfangen soll. Auch hier wurde mir - wie auch schon in den Beamtengräbern von Giza - extra aufgeschlossen, weil scheinbar sonst niemand sich dafür interessierte. Mir sollte es nur recht sein. Von dort aus gings dann zur Teti-Pyramide, deren Zugang nicht allzu schwierig ist. In  ihrem Inneren findet man Pyramiden-Texte und den Sarkophag aus Basalt. Die ebenfalls in der Nähe des Djoser-Komplexes befindlichen Pyramiden des Unas und des Userkaf waren leider geschlossen. In der Nähe der Teti-Pyramide sind die Gräber von Mereruka und Kagemni zu besichtigen, was ich mir selbstverständlich nicht entgehen ließ. Das Grab des Mereruka ist sehr groß und labyrinthartig, so dass ich mich ein bißchen verirrt habe - einmal mehr kämpfte ich mit meinem unterentwickelten Orientierungssinn. Glücklicherweise betrat irgendwann eine größere Gruppe das Grab und ich konnte mich an den Stimmen orientieren. 

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich in Sakkara auch nicht das letzte Mal war. Ich habe noch lange nicht alles gesehen!



Heute ging die Fahrt nach Dahschur, Memphis und Abusir. Start war wieder um 8.00 Uhr morgens. Ibrahim besorgte zwischendurch noch etwas zum Frühstück: Falafel, heiß, kross und lecker. Am Ticket-Office des Pyramidenkomplexes stieg ein Polizist zu und begleitete uns, denn wir befanden uns auf militärischem Gelände. Der Parkplatz befindet sich direkt vor der Roten Pyramide des Snofru, die ich auch gleich in Angriff nahm. Um hinein zu gelangen, hieß es erst einmal hinaufklettern, denn der Eingang befindet sich in etwa 20 m Höhe. Für mich schon mal eine schweißtreibende Angelegenheit, denn trotz der moderat frühen Stunde war es in der Wüste schon reichlich heiß. Oben angekommen, ging es dann wieder nach unten über eine Stiege, die aus einem Brett mit Querstreben bestand, eine Hühnerleiter also, und das ganze in teilweise gebückter Haltung, weil der Schacht sehr niedrig ist. Unten eröffneten sich dann zwei hohe, sehr imposante Krag-Gewölbe. Nach ein paar weiteren Stufen landete ich schließlich in der Grabkammer, wo die Luft inzwischen alles andere als frisch war. Ein Sarkophag ist nicht mehr vorhanden, lediglich einige durcheinandergewürfelte Felsbrocken, wahrscheinlich Überbleibsel des zerstörten Fußbodens. Innerhalb der Gewölbe befinden sich reichlich Grafitti, von denen ich zwei fotografierte, eines in lateinischer Sprache und eines von Burton. Im ersten Gewölbe traf ich auf drei sich an den Händen haltende Personen, die andächtig ihre Blicke nach oben richteten. Allgegenwärtige Pyramidenheilige, die darauf warten, dass die Magie sie abheben läßt. Nun mußte ich also die Hühnerleiter wieder rauf! Mit drei Pausen, die mir außerdem noch Gelegenheit boten, mir die Bautechnik genauer anzusehen, schaffte ich es schließlich - sehr beeindruckt von den akkurat gefügten steinernen Blöcken der Gangkonstruktion. Ich war wieder an der frischen Luft und konnte den herrlichen Ausblick genießen. Beim Rundgang um die Pyramide fielen mir viele umherliegende Ostraka auf, von denen ich dann klammheimlich ein paar mitgenommen habe. Dazu mußte ich einen Polizisten austricksen, der mir in gebührender Entfernung folgte. Die Frage ist allerdings, ob ihn das wohl interessiert hätte. Außerdem bin ich mir keineswegs sicher, dass es sich tatsächlich um antike Scherben handelt. Nicht nur die Rote Pyramide selbst, sondern auch der Totentempel, in dem ein restauriertes Pyramidion aufgebaut ist und wo noch gut erhaltene Reste einer Mauer aus Nilschlammziegeln zu besichtigen sind, haben einen tiefen Eindruck hinterlassen. Ich schaute mir anschließend noch kurz die kleine Nebenpyramide der Hetepheres an, deren eigentliche Grabstätte sich in Giza befindet,  bevor es weiter ging zur Knickpyramide, ebenfalls unter Snofru erbaut. In einiger Entfernung war die Schwarze Pyramide des Amenemhet auszumachen. Ich umrundete die Knickpyramide, wobei ich mich am Taltempel, von dem noch die Wegpflasterung deutlich zu erkennen ist, wieder ein wenig länger aufhielt. Eine Besichtigung der Innenräume ist leider nicht möglich. Vor dem Zugang ist jedoch ein Gerüst aufgebaut. Vielleicht wird sie ja bald zugänglich sein. 

Nächste Station war Mit-Rahina, das alte Memphis. Dort hat man ein Freilichtmuseum errichtet. Zu den Exponaten gehört u.a. eine der beiden Kolossalstatuen Ramses des Großen, die ursprünglich vor dem Ptah-Tempel im Memphis standen. Die zweite wurde nach Kairo verbracht und "ziert" dort den Vorplatz der Ramsis Station.  Nach dem Museumsbesuch versuchte ich, mich in den für Besucher nicht geöffneten Komplex des Ptah-Tempels zu schleichen, kam aber nicht weit wegen permanenter Polizeiobservation - schade. Alles in allem ist von Memphis leider nicht viel zu sehen, obwohl man sicher mit ensprechenden Mitteln einiges zum Vorschein bringen könnte. Als ich dort so stand, fiel mir unvermittelt der alte Name "Die Weiße" ein, zu dem der heutige Eindruck in krassem Gegensatz steht.

Nach einer leckeren Tasse Tee mit Minze in einem Café in Mit-Rahina steuerten Ibrahim und ich das nächste Ziel an: Abusir. Die Fahrt ging durch viele kleine Dörfer, wo man interessante Fotos hätte machen können von Land und Leuten. Leider habe ich dafür immer zu viele Skrupel. Der Pyramidenkomplex von Abusir ist für Publikum geschlossen. Als wir dort ankamen fanden wir jedoch einen Wächter vor, mit dem Ibrahim ein paar Worte wechselte, so dass ich schließlich gegen Bakschisch hinein durfte. Es begann zunächst wieder eine nicht ganz unanstrengende Sand-Bergaufwanderung, aber am Ende lohnte es sich doch sehr, denn ich stand im Pyramiden-Tempel des Sahure mit dem schönen Basaltboden und betrachtete den herrlichen Rosengranit, der mir schon aus dem Museum bekannt war, sowohl aus Berlin als auch aus Kairo. Alle Teile zusammen vor Ort hätten mir noch besser gefallen. Dann geht es weiter - im Laufschritt - ich konnte kaum mithalten - in eine Mastaba, von der ich zunächst nicht wußte, wem sie zuzuordnen ist, und dort in einer Rutschpartie auf dem Hosenboden durch ein Loch in die Grabkammer mit einem Granit-Sarkophag, bei dem mir die "Beulen" auffielen, die einst zum Herablassen in den Schacht dienten und nach dem Einbringen meist abgeschlagen wurden. Durch einen Freund, der fast alle Pyramiden und die umliegenden Grabstätten wie seine Westentasche kennt, erfuhr ich später, dass es sich um die Mastaba des Ptahschepses gehandelt hatte, Wesir und Schwiegersohn des Niuserre.



Der vorletzte Tag war Meidum und el-Lischt gewidmet. Es war eine längere Fahrt von über zwei Stunden, immer am Kanal entlang, an dem die Frauen ihre Wäsche wuschen und ihre Töpfe und Pfannen aus Aluminium blitzblank putzten. Es ging durch kleine Städte und ländliche Gegenden mit Ochs' und Esel in Richtung Beni Suef. Und wie schon so oft, tauchte plötzlich aus dem Dunst eine Pyramidensilhouette auf. Wir waren am Ziel.

Die Pyramide von Meidum, von Snofru vollendet, war zunächst als Stufenbau konstruiert und später durch Verfüllen der Stufen begradigt worden. Das Verfüllmaterial ist im Laufe der Zeit teilweise abgerutscht und bildet heute eine Böschung rund um die Pyramide. Zunächst machte ich mich auf den Weg die Böschung hinauf und wurde dabei geradezu verfolgt von einem Polizisten und einem selbsternannten Guide. Beide ließen sich auch nicht abschütteln, als ich den Hügel wieder hinabging, um mir den Taltempel und die kleine - unzugängliche - Königinnenpyramide anzusehen. Dem Polizisten wurde es dann doch zu langweilig. Er ging. Dem Guide habe ich daraufhin ein kleines Bakschisch in die Hand gedrückt und ihn ziemlich deutlich gebeten, zu verschwinden. Nun hatte mich aber eine Schulklasse entdeckt, die sich scheinbar auf einem Ausflug in Meidum befand, und sich flugs samt ihrer Lehrer zum Gruppenbild aufgebaut. Natürlich habe ich den Wunsch gern erfüllt und ein Foto geschossen. Nachdem Ruhe eingekehrt war, nahm ich wieder die Böschung in Angriff, um in das Innere der Pyramide zu gelangen. Schon ein bißchen ausgepumpt oben angekommen, begutachtete ich bange den Eingangsschacht, der auf einer Länge von gut 50 m bergab führte, wieder in Form einer Hühnerleiter. Mit gemischten Gefühlen dachte ich an den Rückweg. Unten angekommen ging es über eine wenig vertrauenerweckende, zweiteilige Leiterkonstruktion wieder ein Stück nach oben und ich stand unter dem Kraggewölbe der Grabkammer. Die Kammer ist leider leer - kein Sarkophag. Die Luft in dieser Pyramide war wohl die schlechteste aller, die ich besucht hatte. Und ausgerechnet hier waren Restauratoren bei der Arbeit. Ich habe sie bedauert. Zwei von ihnen standen auf einer Leiter direkt unter dem Giebel und begutachteten Wand und Balken. Da auf mein "excuse me" keiner reagierte, habe ich es mal mit "excusé moi" versucht und fand Gehör. Mit meinem Zwei-Worte-Französisch fragte ich nach, ob restauriert würde (vous restauret?). Dann kam auch ein sparsames "oui" als Antwort. Alle waren sehr geschäftig, so dass ich mich artig verabschiedete und ging. Erst später erfuhr ich, dass man in der Pyramide von Meidum weitere Kammern geortet hatte. Den Weg nach oben habe ich übrigens unbeschadet überstanden.

Nun ging es weiter zu den Pyramiden von Lischt. Dieser Platz ist außerordentlich schwer zu finden, wenn man wie Ibrahim noch nie dort war. Er fragte sich also durch von einem Dorf zum nächsten - es waren nicht wenige und ich konnte wiederum bunte Eindrücke vom Landleben aufnehmen - bis wir an der richtigen Stelle waren. Soweit so gut, aber zwischen uns und dem Pyramidenkomplex lag noch ein Dorf. Ibrahim mußte uns also einen Lotsen suchen. Das erwies sich als einfacher als gedacht. Er fand einen netten Dorfbewohner, der uns durch die sehr engen Gassen führte. Das war dann allerdings noch nicht alles, denn nun ging es mit dem Taxi noch ein Stück durch die Wüste auf einer Piste, die man ohne Lotsen besser nicht befahren sollte. Schließlich landeten wir vor der Pyramide des Sesostris. Unser netter Begleiter zeigte uns in der Ferne das Grabungshaus von Arnold, zur Zeit jedoch nicht bewohnt, weil die Kampagne für diese Saison beendet war. Nun hieß es wieder Wüstenwanderung: Düne rauf, Düne runter bis zu einem mit Wellblech abgedeckten Ort, wo colorierte Säulen- und Relieffragmente vor der Witterung geschützt wurden. Der in diesem Grabkomplex befindliche Schacht war mit Zement verschlossen, wie es aussah jedoch eine vorübergehende Schutzmaßnahme. Auch hier wußte ich zunächst nicht genau, wessen Grab ich betreten hatte. Ich erfuhr dann jedoch, daß es sich um ein Grab aus dem Mittleren Reich, Sesostrisanch, handelte. Danach ging es ein Stück weiter am Rande der Wüste zur Amenemhet-Pyramide, nachdem ich mich bei Ibrahim überzeugt hatte, dass ihm, oder vielmehr seinem Taxi, diese abenteuerliche Safari keine Probleme bereiten würde. Geparkt wurde vor einem Moslem-Friedhof, den wir zu Fuß durchquerten. Es war mir nicht gerade angenehm und die mir erst später bekannt gewordene Tatsache, dass es sich um einen alten, nicht mehr genutzten Friedhof handelte, hätte da auch nicht geholfen. Unser Führer gab immer mal wieder ein Zeichen, ich möge mich ducken. Wir  wurden beobachtet. Die Pyramide des Amenemhet ist wie die des Sesostris sehr verfallen, jedoch befinden sich dort noch Reste des Tempels, die zu besichtigen sich lohnt. Der Pyramiden-Komplex ist sehr reizvoll, vielleicht gerade weil alles so verfallen ist. Ich fühlte mich um 150 Jahre zurückversetzt wie einer der alten Pioniere. Wir verabschiedeten uns von unserem freundlichen Führer, der erstaunlicherweise nicht nach Bakschisch fragte. Selbstverständlich hat er welches bekommen. Er hatte es mehr verdient als alle anderen. Bei der Rückfahrt nach Kairo fiel mir dieses Mal ganz besonders auf, was für ein Hexenkessel diese Stadt ist. Von der ländlichen Ruhe landeten wir direkt im Gewimmel und dem schon obligatorischen, täglichen Nachmittagsstau in Giza. 



Der letzte Tag in Kairo war angebrochen. Am Vormittag machte ich einen Besuch beim Deutschen Archäologischen Institut. Ein glücklicher Zufall hatte mit die Bekanntschaft eines Mitarbeiters des Institutes beschert und ich konnte mich in einem längeren, sehr netten Gespräch eingehend über die Arbeit des DAI informieren und mich mit Tipps für meine weitere Reise versorgen.

Anschließend hatte ich dann auch noch Gelegenheit, die Kairoer U-Bahn, die der Berliner in nichts nachsteht, auszuprobieren. Ich fuhr ins Koptische Viertel und machte dort einen Besuch im Koptischen Museum, den ich nicht bereut habe. Außerdem hat das Museum ein sehr schönes, ruhiges Gartencafé. Ein herrliches Plätzchen zum Verweilen. Das koptische Viertel selbst mit seinen engen Gäßchen und prunkvollen Kirchen war ebenfalls den Besuch wert. Zurückgekehrt machte ich eine kleine Abschiedspause auf einer Bank am Tahir-Platz. Dort kam ich - das passierte mir nicht das erste Mal - sofort ins Gespräch mit einer jungen Dame, Studentin aus Jordanien. Die Menschen in Kairo sind trotz aller Hektik, die in der Stadt herrscht, überaus kontaktfreudig und unterhalten sich gern, nur um sich zu unterhalten. Ich habe mich in dieser Stadt sehr wohl gefühlt. Und ein paar Worte Arabisch sind auch hängengeblieben.

Am Abend fuhr mich  Ibrahim dann ein letztes Mal - zur Ramsis Station, von wo aus ich um 21.30 Uhr mit dem Zug zurückfuhr nach Luxor. Das Ticket für diese Fahrt hatte ich mir allerdings rechtzeitig besorgt. 

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