Ein Reisebericht
Ägypten im Frühjahr 2000
Teil 2 - Oberägypten und Nubien

 
Fotos und weitere Informationen zu den antiken Stätten

 
Luxor
Zunächst einmal war natürlich wieder Duschen und Frühstücken das Wichtigste und dann das Akklimatisieren bei einem kleinen Spaziergang. Mein Hotel befand sich direkt am Luxor-Tempel, ein wunderbarer Ausgangspunkt. Da das DAI mir empfohlen hatte, mir unbedingt Elephantine anzusehen, habe ich vorsichtshalber gleich am ersten Tag mein Ticket für Aswan besorgt. Abends gings dann kurz in den Luxor-Tempel wegen der schönen Atmosphäre bei Dunkelheit.


Luxor-Tempel intensiv
Fünf Stunden habe ich mich dort aufgehalten und mir das ganze Areal in aller Seelenruhe angesehen, mit dem "Großen Handwörterbuch Ägyptisch-Deutsch" von Hannig und einem Tempel-Grundriß unter dem einen und einer großen Wasserflasche
unter dem anderen Arm, denn Luxor war nun wirklich schon sehr heiß. Hieroglyphen "lesen" habe ich auch dort nicht gelernt, aber immerhin konnte ich mich mit den Königskartuschen und den Götternamen schon mal durchschlagen. Nachmittags habe ich mir dann eine Pause am Pool gegönnt. Allerdings hatte ich bereits am Morgen eine Fahrt nach Abydos gebucht.


Tempel-Tour auf der Westbank
Zunächst habe ich mal versucht, die Reste des Palastes Amenophis III (Malqata) zu finden. Leider ist von dem Ziegelbau nicht mehr viel übrig. Inzwischen bin ich mir nicht einmal mehr sicher, ob ich überhaupt an der richtigen Stelle gesucht habe. Allerdings lagen auch dort reichlich Ostraka herum, denen ich nicht widerstehen konnte, z.T. minimal dekoriert. Nächste Station war Medinet Habu, das ich diesmal intensiver studiert habe als die Male davor. Zum Beispiel ist mir erstmals der dort befindliche Heilige See aufgefallen. Auch hier hatte ich mir allerdings - wie für alle Tempel - einen Grundriß mitgenommen, so daß ich systematisch laufen konnte. Von dort aus gings dann zu Fuß zum Ramesseum, wo ich mir ebenfalls viel Zeit ließ. Ich fand auch die bekannte "Sohn-Liste" mit der Darstellung einiger Ramses-Söhne. Einer der Namen war in eine Kartusche eingelassen. Es handelte sich um Merenptah, den Thronfolger. Eine kurze Pause legte ich unter einer alten Akazie ein, wobei mir schmunzelnd der Titel des letzten Buches der Ramses-Reihe von Christian Jacq einfiel: "Unter der Akazie". Nach dem Ramesseum gab es einen ganz hervorragenden Tee in dem nahegelegenen Cafe. Dieses Cafe scheint auch Treffpunkt für Archäologen zu sein. Danach setzte ich dann meine Tempeltour fort (wieder zu Fuß, damit mir auch kein Detail verloren ging), mußte aber feststellen, daß alle Tempel so verfallen sind, daß eine Identifizierung sehr schwer ist, obwohl hier und da bereits Restaurierungsansätze zu sehen sind. Letzte Station war dann der vom DAI komplett, einschließlich begehbarer Tempelmauer, restaurierte Tempel Sethos I. Ich würde jedem empfehlen, sich dieses Bauwerk unbedingt anzusehen. Die Arbeit des DAI ist wirklich gelungen. Im Innern begeistern die schönen Reliefs, die ich im letzten Jahr noch nicht besichtigen konnte, weil der Boden noch nicht fertig war. Außerdem ist das einer dieser ruhigen Orte, die man richtig genießen kann. Und einen Rundgang auf einer Tempelmauer bekommt man nicht alle Tage geboten. 


Fahrt nach Aswan 
Ich hatte mir dafür einen Tag reserviert, morgens hin, abends zurück nach
Luxor. Der Zug fährt jeweils 3 Stunden, immer am Nil entlang. In Aswan brachte ich fast den ganzen Tag auf Elephantine zu. Durch Zufall hatte ich ja in Kairo Gelegenheit gehabt, mit einem Mitarbeiter des DAI zu sprechen. Das DAI hat die antike Stadt Elephantine ausgegraben (und ist noch dabei), die diversen Tempel restauriert und ein Grabungsmuseum errichtet. Glücklicherweise hatte ich auch das offizielle Führungsheft des DAI aus Kairo mitgebracht. Das hat mich sehr neugierig gemacht. Vom Bahnhof in Aswan aus wanderte ich die Corniche hinauf bis zur öffentlichen Fähre nach Elephantine, eine Felukka, die bei Windstille mit Muskelkraft betrieben wird. Von der Insel und der dort geleisteten archäologischen Arbeit bin ehrlich begeistert. Die Fahrt hat sich gelohnt und Aswan ist immer wieder eine Reise wert.


Karnak - ganztägig
Auch in diesem großen Tempelkomplex des Amun habe ich mir viel Zeit gelassen, gut gerüstet mit allerlei Infomaterial. Auch hier hatte ich wieder einmal Glück und konnte - obwohl geschlossen - den Bereich vor dem Sedfest-Tempel Amenophis II westlich des Heiligen Sees gegen Bakschisch anschauen und fotografieren. Außerdem machte ich Fotos im Sanktuar des Ptah-Tempels und im Osiris-Tempel - und eine Aufnahme von einem knienden Ramses II, was mir bei diesem Herrscher wie ein seltenes Schauspiel vorkam. Auf gar keinen Fall sollte man in Karnak das Open Air Museum auslassen. Der Eintritt kostet 10 LE extra, Tickets gibt es am Ticket-Schalter. Es ist allerdings ein wenig schwer zu finden, weil nicht ausgeschildert: Das Museum liegt wenn man auf das Tempelgelände kommt hinter dem ersten oder zweiten Pylon. Ausgeschildert sind dort die Toiletten. Wenn man sich dann in diese Richtung begibt, steht man vor dem Museumseingang. Dort steht u.a. die in rote Kapelle der Hatschepsut, die Chapelle Rouge sowie die Chapelle Blanche (mit Auflistung aller ägyptischen Gaue einshcl. Größenangaben) von Sesostris I. Schon allein diese beiden wunderschönen Bauwerke lohnen den Besuch.


Westbank
Ausgangspunkt war diesmal der Tempel der Hatschepsut in Deir al-Bahri, in dem sich Massen von Touristen drängelten. Leider ist die dritte Terasse immer noch nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Lediglich für die Mitglieder des Ägyptologenkongresses gab es eine kurze Voreröffnung. Auf meine Frage hieß es, in 20 Tagen würde eröffnet. Eine typisch ägyptische Auskunft, wie ich ein halbes Jahr später feststellte, als die Terasse immer noch geschlossen war. Ich habe einige Fotos gemacht, auch vom Mentuhotep- und Thutmosis III Tempel sowie vom Grab des Senenmut, das leider auch unzugänglich war. Ich konnte mich auch nicht hineineinmogeln, denn es ist zu leicht von allen Seiten einzusehen. Danach wollte ich über den Berg ins Tal der Könige - bei glühender Mittagshitze. Wie vorauszusehen, habe ich auf halbem Wege schlapp gemacht und mußte beim Abstieg erst einmal ein schattiges Plätzchen aufsuchen - einen Grabeingang eines Friedhofes der 11. Dynastie. Als ich dort Rast machen wollte, kam mir ein Vogel entgegengeflogen. Vielleicht der Ba meines unfreiwilligen Gastgebers? Ich bin ich dann doch lieber mit dem Taxi ins Tal der Könige gefahren. Mein erster Gang war zum Grab des Tun-anch-amun, in dem ich - wie sollte es anders sein am frühen Nachmittag - ganz allein war. Das Grab ist klein und ich kann mir kaum vorstellen, daß all die Dinge, die man im Museum besichtigen kann, dort drin gewesen sein sollen. Aber es war ja bei Howard Carters Entdeckung auch bis oben hin vollgestopft. Allerdings habe ich meinen Besuch dort nicht bereut: stumme Zwiesprache mit einem Pharao, das gibt es nur dort. Als nächstes stieg ich in  das Grab von Amenophis II. Dort gab es am Eingang nicht mal einen Wächter. Den fand ich eine Treppe tiefer schlafend vor einem Ventilator. Die Grabkammer liegt sehr tief, hat
eine wunderbar bemalte Sternendecke, und der rote Sarkophag ist traumhaft schön gearbeitet, mit vier Schutzgöttinen an den Ecken aus hellem Stein. Dann besuchte ich das Grab von  Sethos II mit seinem dekorierten Eingang und mit Reliefs geschmückten Wänden. Unter einem schwarzen Sarkophagdeckel befindet sich eine ebenfalls schwarze Skulptur der Nut. Außerdem liegt in diesem Grab eine unbekannte Mumie. Das letzte Grab, das ich besuchte, war für mich auch von Größe und Ausstattung her das beeindruckendste: Tewroset und Sethnacht, ein Doppelgrab. Zwei Grabkammern mit Rundgewölbe und Säulen, das zweite Gewölbe nicht ganz fertiggestellt. Die bemalten Säulen stehen auf ebenfalls bemalten, umlaufenden Sockeln mit Hohlkehle. Einfach traumhaft. In allen Gräbern war ich mutterseelenallein mit dem Grabwächter und konnte mich samt meiner Bücher und Unterlagen ausbreiten und die Hieroglyphen studieren. Damit habe ich die Wächter teilweise sehr beeindruckt; sie versuchten gar nicht erst, mit irgendetwas zu erklären. Abschließend habe ich mir dann noch die Ruhestätten von Roy und Shuroy angesehen. Zwei kleine, aber mit schönen Malereien geschmückte Privat-Gräber.


Abydos
Diesen Abstecher hatte ich direkt bei einem einheimischen Reiseveranstalter gebucht, und das Angebot erwies sich als ordentlich. Die Fahrt nach Abydos erfolgt im unvermeidlichen, bewachten Konvoi. Mein erster Eindruck, als ich den Sethos-Tempel in Abydos betrat: noch nie habe ich soviel Schönheit gesehen. Schon der erste Eindruck von außen ist überwältigend durch die vorgelagerte, großzügig angelegte Terasse (die eigentlich gar keine ist, da der erste, zerstörte Pylon den Blick darauf ursprünglich nicht freigab). Dann die Säulenhalle wie eine Kathedrale. Wunderbare colorierte Reliefs an Wänden, Decke und in den Kapellen für die verschiedenen Gottheiten. Oligatorisch war die Besichtigung der Königsliste, von der ich natürlich auch (Panorama)Fotos geschossen habe. An den Tempel schließt sich das Osireion genannte Osiris-Grab: ein wirklich magischer Ort. Ich gehöre weiß Gott nicht in den Reigen der abgehobenen Esotheriker, dennoch glaubte ich dort förmlich zu spüren, daß es sich um einen ganz besonderen Platz handelt. Man sollte sich unbedingt (mindestens) einen Tag für Abydos nehmen. Leider hat man dazu keine Gelegenheit, denn der Konvoi ließ uns ganze anderthalb Stunden Zeit - es ist ein Drama. Gerüchten zufolge sollen die Vorschriften hier jedoch in absehbarer Zeit wieder gelockert werden, insha'allah. Ob mit oder ohne Konvoi: auch nächstes Mal wird Abydos wieder auf meinem Programm stehen. Vergleicht man einmal den Sethos-Tempel in Abydos mit dem Hathor-Tempel
in Dendera (er wurde vom Konvoi auch angesteuert, weil er auf der Strecke liegt) und führt sich noch dazu vor Augen, daß zwischen der Errichtung beider Anlagen ein Zeitraum von mehr als 1000 Jahren liegt, dann ist Dendera gegen Abydos ein mit zwar handwerklich hochklassigen, aber seelenlosen Reliefs überladener Prunkbau, dem ich übrigens schon bei meinem ersten Besuch dort nichts abgewinnen konnte. Er hat für mich persönlich nichts mehr mit Ägypten zu tun.

Und wieder hatte ich eine kleine Glückssträhne: Eine amerikanische Ägyptologin, die vom Kongreß übriggeblieben war und nun noch einige Orte in Ägypten besuchte, hatte Abydos zufällig beim gleichen lokalen Veranstalter gebucht wie ich und wir fuhren zusammen in einem Fahrzeug. Auf diese Weise hatte ich die Gelegenheit, noch einmal ein bißchen - wenn auch laienhaft - zu fachsimpeln. 

Damit war nun auch mein Aufenthalt in Luxor zu Ende und es ging weiter ans Rote Meer nach El Quseir, wo ich die letzte Woche dieses Urlaubs schnorchelnd und lesend verbrachte.