Michael Haase

Das Feld der Tränen
König Snofru und die Pyramiden von Dahschur

erschienen 2000
Econ Ullstein Verlag GmbH & Co. KG München
365 Seiten
ISBN 3-550-07141-8
EUR 22,95

Der Autor studierte Mathematik und Astrophysik und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Pyramidenforschung. Er ist ausserdem Herausgeber von "Sokar", der ersten deutschsprachigen Zeitschrift, die sich ausschließlich dem weltweiten Phänomen des Pyramidenbaus widmet.


Als ich Haases Buch in die Hand bekam, dachte ich spontan "Schon wieder irgendein Pyramidenbuch". Das klingt wenig begeistert und daran änderte sich auch nichts, als ich es durchgelesen hatte. Der Titel vermittelt den Eindruck, es handle sich bei dem Buch um eine Abhandlung zu den Pyramiden des Snofru in Dahschur und der Leser erwartet, wenn schon nicht grundlegend neue, so doch zumindest gut fundierte Erkenntnisse zum Bau der beiden dort befindlchen Pyramiden. Ganz besonders zur sogenannten Knickpyramide, an der sich schon viele Gemüter erhitzt haben. Der Eindruck trügt. Haase schlägt einen weiten Bogen von den Anfängen der ägyptischen Königsgräber in Abydos bis hin zur zweiten Zwischenzeit und zur Reichseinigung durch Ahmose. Alle Themen werden irgendwie angerissen, aber nichts wird wirklich vertieft. Für mich sieht es eher so aus, als hätten hier unbedingt Seiten gefüllt werden müssen. Auch innerhalb der Kapitel, die sich tatsächlich mit den Dahschur-Pyramiden beschäftigen, schweift der Autor über weite Strecken ab und versteigt sich zudem gern in Belletristik. Hier einige Zitate

...zum Baubeginn in Dahschur
"Am Anfang der 4. Dynastie waren die Augen aller Ägyper auf das karge, weitläufige Wüstenplateau von Dahschur gerichtet"

...nach den ersten auftretenden Schäden an der Knickpyramide
"Ratlosigkeit machte sich breit. Was war zu tun? Nur äußerst zögerlich fuhren die Verantwortliche daraufhin mit der Ausarbeitung des Kraggewölbes fort"

...zum stabilisierenden Schutzmantel für die Pyramide
"Schnell auf Papyrus vorskizziert, immer wieder im Kreis des Baustabes diskutiert und modifiziert, wurde ein Notkonzept entwickelt und schließlich mit gigantischem Aufwand zügig umgesetzt"

Das ganze Buch ist durchsetzt mit derartigen Stilblüten, die mit sachlicher Berichterstattung nicht in Einklang zu bringen sind, sondern allenfalls als künstlerische Freiheit des Autors abgetan werden können - völlig konträr zum Anspruch, den der Klappentext suggeriert.

Haase verarbeitet halbherzig und ohne Tiefgang die in teilweise jahrzehntelanger Arbeit gewonnenen Forschungsergebnisse anerkannter Wissenschaftler der Archäologie und Äyptologie (Arnold, Stadelmann, Verner, Lehner, um nur einige zu nennen), zitiert und interpretiert sie - nichts weiter. Ich meine, der interessierte Leser ist mit der Lektüre eines der zahlreichen Werke dieser Wissenschaftler weit besser bedient als mit Haases Buch, das ich -  wäre es nicht geschrieben worden - wahrlich nicht vermissen würde.